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Was ist der Unterschied zwischen Vliesstoff, Gewebe und Gewirke?
Veröffentlicht am 13. Mai 2026

Was ist der Unterschied zwischen Vliesstoff, Gewebe und Gewirke?

In der Welt der Haute Couture wie auch in der industriellen Konfektion besitzt Kleidung eine unsichtbare Architektur: die Einlage (auch Einlagestoff oder Entoilage genannt). Sie ist es, die dem Kragen seinen Halt, dem Revers seinen Schwung und der Jacke ihre Statur verleiht. 

Doch um das richtige „Skelett“ auszuwählen, muss man die Grundlagen verstehen. Man unterscheidet drei große Familien: Gewebe, Vliesstoff und Gewirke (Maschenware). Hier erfahren Sie, wie Sie sie voneinander unterscheiden und vor allem, wie sie hergestellt werden, um Ihre Kreationen zu veredeln.

  1. Vliesstoff: die industrielle Effizienz
  2. Gewebe: der klassische Architekt
  3. Gewirke: die Elite der Flexibilität 
  4. Fazit: Welche Einlage für welches Projekt?

Vliesstoff: die industrielle Effizienz

Der Vliesstoff ist der „Sprinter“ unter den Einlagestoffen. Hier gibt es keine komplexe Verkreuzung von Fäden. Die Textilfasern werden direkt durch eine chemische oder thermische Bindung miteinander verbunden.

Eigenschaften von Vliesstoffen
  • Struktur: Ein Flor aus komprimierten Fasern.
  • Stärken: Sehr wirtschaftlich und hocheffizient für die Massenproduktion.
  • Schwächen: Kaum oder gar keine Elastizität. Ideal zum Stabilisieren von Teilen, die sich absolut nicht bewegen dürfen.
  • Verwendung: Optimal für kleinere Budgets oder Bereiche, die eine einfache Steifigkeit erfordern.

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Gewebe: der klassische Architekt

Gewebe folgt der traditionellen Methode: Ein Webstuhl verkreuzt vertikale Fäden (Kette) und horizontale Fäden (Schuss). Dies ist die stabilste und robusteste Struktur.
Hierbei spielt man mit der Bindungsart (der Art der Verkreuzung), um den „Griff“ des Stoffes zu verändern:

 BindungsartBeschreibung
Leinwandbindung (Plain Weave) 1/1Der Kettfaden und der Schussfaden gehen abwechselnd umeinander unter- und oberhalb durch. Visuell sieht man den Faden nur, wenn er oben liegt.

2/2-Bindung (z. B. Köperbindung)Der Faden geht zweimal oben drüber, dann zweimal unten drunter.
3/1-BindungDieses asymmetrische Verhältnis verändert den Warengriff radikal. Der Schussfaden (oder Kettfaden) überspringt drei Fäden, bevor er unter dem vierten hindurchgeht.

Gewebe ist die erstklassige Wahl für Anzugsjacken und Schneiderkonstruktionen, die perfekten Halt ohne jegliche Elastizität erfordern.

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Gewirke: die Elite der Flexibilität

Gewirke (Maschenware) kreuzt Fäden nicht einfach, sondern verschlingt sie in Form von Schleifen (Maschen). Dieses Verfahren verleiht ihr eine natürliche Dehnbarkeit und eine außergewöhnliche Formgedächtniskapazität. Sie wird besonders für Damenbekleidung und fließende Silhouetten empfohlen.

Hybride Strukturen für jeden Bedarf

Bei Chargeurs PCC arbeiten wir im Wesentlichen mit drei Arten von Maschenware:

 Art der MaschenwareBeschreibung
Kettenwirkware (Chaînette)Die Kette wird unter Spannung verarbeitet, wodurch das übliche schlaufenartige Aussehen verdeckt wird. Der Fokus liegt auf dem Schussfaden, dessen texturiertes Garn an der Oberfläche eine dichtere und voluminösere Optik erzeugt, was für einen reichhaltigen Warengriff sorgt.
Schusseintrag (Weft Insertion)Die Kette verläuft von links nach rechts und bildet Rautenformen.
Top SatinExtrem dichte Hybridstruktur. Zusätzlich zum eingelegten Schussfaden integriert sie eine zusätzliche, ungewirkte Kette. Diese komplexere Konstruktion ermöglicht ein „geschlosseneres“ und blickdichteres Textil, das ein großzügiges Volumen bietet.

Hinter den Kulissen einer Hochpräzisionsfertigung

In unserem französischen Werk Lainière de Picardie ist die Herstellung von Gewirken eine fast chirurgische Kunst. Alles beginnt mit der Auswahl streng geprüfter Garne (oft Viskose oder Polyester):

  • Die Qualitätskontrolle: Bei jedem Wareneingang wird das Garn im Labor getestet (Feinheitsbestimmung/Titrierung, Reißfestigkeit, Elastizität).
  • Die Feuerprobe (oder fast): Die Garne werden in einer Schrumpfmaschine bei 180°C bis 190°C behandelt. Warum? Man strebt eine kontrollierte Schrumpfung (ca. 20 %) an, um dem fertigen Kleidungsstück maximalen Komfort und maximale Elastizität zu garantieren.
  • Das technische Know-how: Für Schwarz verwenden wir ein düsengefärbtes Garn mit Rußpigmenten (2 %) für eine unübertroffene Farbtiefe bei gleichzeitig reduziertem Wasserverbrauch. Dies garantiert die Farbstabilität von einer Charge zur nächsten sowie eine hohe Reibechtheit.

Die Veredelung: Wenn die Basis zur Einlage wird

Nach dem Verlassen der Maschine durchlaufen diese Textilien intensive Behandlungen, um ihr endgültiges Aussehen zu erhalten:

  • Schmirgeln & Rauhen: Die Oberfläche wird mit Metallzylindern oder Schmirgelpapier gerieben oder aufgerauht, um ihr „Rundheit“ und Volumen zu verleihen.
  • Stabilisierung: Eine Wäsche + Dämpfen im Dampfbecken und eine Thermofixierung im Spannrahmen stabilisieren den Stoff.

Schließlich folgt die Beschichtung (der Kleber). Ob Pastenpunkt (Point Pâte) für feminine Flexibilität oder Doppelpunkt (Double Point – eine Pastenbasis, die mit Pulver bestreut wird) für strukturierte Stoffe: Jeder Punkt (die Mesh-Dichte) wird exakt berechnet, um ein Durchschlagen des Klebers zu verhindern und Langlebigkeit zu garantieren. Lesen Sie unseren Blog über Thermo-Bügeleinlagen, um mehr darüber zu erfahren.

Entdecken Sie unser Sortiment an gewirkten Einlagestoffen: Lainière Paris.

Fazit: Welche Einlage für welches Projekt?

TypPositionierungVorteileIdeale Verwendung
VliesstoffWirtschaftlichPreis, StabilitätMassenproduktion, kleine Accessoires
GewebeMittel- / PremiumsegmentPerfekter Halt, RobustheitAnzugsjacken, strukturierte Mäntel
Gewirke (Maschenware)PremiumsegmentElastizität, Komfort, FormgedächtnisDamenbekleidung, fließende Silhouetten

Haben Sie ein bestimmtes Projekt oder Zweifel, welche Basis Sie verwenden sollten? Kontaktieren Sie uns für eine Musteranfrage!

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